
Arche Noah, zweiter Teil: Am Pol sollen drei Millionen Samen von Pflanzen bei minus 18 Grad eingelagert werden. Im Ernstfall liegt dann die Rettung der Flora in den unterirdischen Hallen. Zunächst muss der "Tresor" Schritt für Schritt heruntergekühlt werden.
Im ewigen Eis am Nordpol haben die Ingenieure dieser Tage mit der Kühlung begonnen. Auf minus 18 Grad Celsius sollen die unterirdischen Hallen heruntergebracht werden - kalt genug, um drei Millionen Pflanzensamen einzulagern. Vor einem Jahr setzte Norwegens Regierung die Arbeit in Gang: Sie ließ auf der Insel Svalbard mehrere Hallen ins Eis fräsen. Im eisigen Tresor "Zum jüngsten Gericht" sollen die Samen der wichtigsten Nutzpflanzen der Zivilisation archiviert werden - und im Ernstfall die weltweite Flora retten. Über 120 Meter erstreckt sich der jeweils fünf Meter breite und hohe Gang in den eiskalten Fels.
Zwei Monate lang, schätzen die Ingenieure, werde es dauern, bis die Hallen auf minus 18 Grad Celsius heruntergekühlt sind. Eine Klimaanlage soll die Temperatur halten. Fällt der Strom aus, sorgt der Permafrost für Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. So gelagert, überleben die Pflanzen einen Nuklearschlag, Klimakatastrophen und Epidemien. Der norwegische Archipel Svalbard bietet mehrere gute Voraussetzungen für einen globalen Saatgut-Tresor.
In der Nähe von Longyearbyen, der nördlichsten Stadt der Welt, steigt die Temperatur des Permafrostbodens nicht über den Gefrierpunkt. Der Riesenkühlschrank ist damit ausfallsicher. Dicke Betonmauern, Folien, luftleer gepumpte Tüten aus Aluminium, Luftschleusen und eine spezielle Schutzhülle um den Tunnel sollen die Feuchtigkeit von den Samen fernhalten, damit sie viele Jahre, Jahrhunderte und gar Jahrtausende überdauern.
Der Tresor wird vom Global Crop Diversity Trust (GCDT) gebaut und betreut, einer internationalen Non-Profit-Organisation zum Erhalt der Kulturpflanzen unter Beteiligung der Vereinten Nationen. Auch Deutschland unterstützt das Projekt mit 7,5 Millionen Euro.
"Es ist der perfekte Platz, um die Samen über Jahrhunderte sicher aufzubewahren", sagte Cary Fowler, Direktor des Diversity Trust, der BBC. Zwar zählen die Statistiker der Vereinten Nationen schon mehr als 1400 Samenbanken auf der ganzen Welt - die Schätzung umfasst alle botanischen Archive von der Regalsammlung im Uni-Institut bis hin zu großen Nationalarchiven.
Die größte Saatgutsammlung in Deutschland betreibt das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung IPK in Gatersleben. "Die meisten Saatgutlager sind unzureichend gesichert - im Falle einer Naturkatastrophe oder bei politischen Unruhen sind die Bestände bedroht", sagt Fowler. Ende der Achtzigerjahre zerstörten Terroristen eine internationale Kartoffel-Samenbank in Peru; 2006 vernichtete ein Taifun eine philippinische Saatgutsammlung.
Quelle: welt.de
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