Haas und Lisicki stehen im Wimbledon-Viertelfinale
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Haas und Lisicki stehen im Wimbledon-Viertelfinale

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Deutsche Erfolge in Wimbledon: Sabine Lisicki ist Tommy Haas ins Viertelfinale des Grand-Slam-Turniers gefolgt. Der 31-Jährige erreichte gegen Igor Andrejew erstmals in seiner Karriere in London die Runde der letzten Acht. Die 19-Jährige Berlinerin setzte sich gegen die Dänin Carolin Wozniacki durch.

Er hat in diesem Jahr das ganz besondere Gespür für Gras. Und selbst in Wimbledon, dem Schauplatz einer jahrelangen Pleiten-, Pech- und Pannenserie, ist Tommy Haas (31) in diesen hochsommerlichen Grand-Slam-Tagen in London nicht zu stoppen: Mit einer meisterlichen Vorstellung beim brillanten 7:6, 6:4, 6:4 über den Russen Igor Andrejew rückte der gebürtige Hamburger erstmals in seiner turbulenten Karriere ins Viertelfinale des Turniers vor.

„Ich hatte einfach das perfekte Gefühl auf dem Schläger“, sagte Haas später, „auf so einen Tag habe ich in Wimbledon lange, lange warten müssen.“ Der überragend auftrumpfende Altmeister reckte nach 134 Spielminuten die Faust in den blauen Himmel, und auf der Tribüne applaudierte Freundin Sara Foster verzückt. Sein Spiel war eine Demonstration: Er hatte nicht ein einziges Break seines Gegners zugelassen. „Tommy war übermächtig heute. Jetzt kann er frei aufspielen, denn er hat schon Großes erreicht“, sagte Trainer Thomas Hogstedt.

Eine erste Belohnung ist dem 31 Jahre alten Deutschen bereits sicher: Als sogenanntes Mitglied im „Last Eight Club“ – also als einer jener Spieler, die ein Viertelfinale im All England Club erreicht haben – sind ihm nun bis zum Lebensende zwei Wimbledon-Tickets sicher. Über diesen angenehmen Nebeneffekt hatte sich schon im vorigen Jahr ein anderes Mitglied aus der deutschen Ü30-Fraktion gefreut: Rainer Schüttler, der später sogar bis ins Halbfinale vorgeprescht war.
Furchtlose Lisicki

Nach Haas konnte am Montag auch noch Sabine Lisicki erstmals in die Runde der letzten Acht des berühmtesten Grand-Slam-Turniers einziehen. Die Berlinerin besiegte Carolin Wozniacki aus Dänemark 6:4, 6:4, damit sind die deutschen Tennisprofis erstmals seit 1996 sowohl bei den Frauen wie auch bei den Männern im Viertelfinale vertreten. „Ich weiß eben jetzt, dass ich gegen die Top-Spielerinnen gewinnen kann“, erklärte die zur Zeit nur auf Platz 41 im WTA-Ranking notierte Lisicki, „ich spiele hier von Match zu Match und was drumherum passiert, lasse ich auf mich zukommen.“

Gegen die Weltranglisten-Neunte trumpfte 19-Jährige ähnlich nervenstark und abgebrüht auf wie beim Sensationscoup gegen die French-Open-Siegerin Swetlana Kusnezowa am Samstag – frei nach dem Motto: Keine Angst vor niemand. In Gefahr geriet der vierte Sieg der Berlinerin nie, die in den ersten Turnierrunden noch heftig unter den Auswirkungen einer Gras-Allergie litt, aber selbst dieses Malheur bravourös wegsteckte. „Beeindruckende Vorstellung – heute und im ganzen Turnier“, sagte anschliessend knapp und zutreffend Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner, „da ist noch ein bisschen mehr drin.“

Respekt hat Lisicki ja sowieso nicht mehr vor den Großen der Szene – seit ihrem ersten Turniersieg in Charleston im April: „Das war ein Moment, der mir zeigte: Ich muss mich vor keiner Spielerin mehr verstecken.“ Auch nicht vor der Weltranglisten-Ersten Dinara Safina, die am Dienstag im Viertelfinale als nächste Hürde wartet. Die Russin besiegte im Achtelfinale Amelie Mauresmo aus Frankreich mit 4:6, 6:3, 6:4. Gutes Omen für Lisicki: Das bislang einzige Match gegen die French-Open-Finalistin Safina hatte Lisicki bei ihrem ersten Grand-Slam-Match überhaupt in der ersten Runde der Australian Open 2008 für sich entscheiden.
Hellwacher Haas

Haas wirkte am Montag von der ersten Minute an hellwach, punktgenau konzentriert und taktisch hervorragend präpariert – von irgendwelchen Verschleißerscheinungen nach dem Marathon gegen den Kroaten Marin Cilic Freitag und Samstag war keine Spur bei dem rüstigen Routinier. Brachte Haas seinen ersten Aufschlag ins Spiel, hatte der Russe praktisch keine Chance. Haas hatte nur einen schwachen Moment – als er sich beim zweiten Satzball im Tiebreak des ersten Durchgangs einen Doppelfehler leistete.
Doch was Haas auch schon in der ersten Spielwoche dieses Turnier ausgezeichnet hatte – eine Unbeirrbarkeit und mentale Stärke in allen Situationen – das half ihm auch gegen den unbequemen Moskauer. „Ich habe mich da nicht beirren lassen. Ich war mental einfach stark drauf“, sagte Haas. Er wehrte einen Satzball von Andrejew bei 7:8 ab und machte seinerseits dann den wegweisenden Punkt zum 10:8.

„Tommy profitiert bei diesem Turnier auch von seiner großen Erfahrung“, sagte Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen. In den genau richtigen Momenten der Sätze zwei und drei setzte Haas auf volles Risiko – und holte sich jeweils die Breaks zum 4:3. Dann war es geschafft, die Fans feierten den Mann, der in all seinen Jahren im Wanderzirkus mit Wimbledon nie so richtig warm geworden ist. „Wimbledon war nie gut zu mir“, sagte er selbst einmal. Das sieht nun gänzlich anders aus. Nach vielen Rückschlägen und Verletzungen, Enttäuschungen und bitteren Niederlagen scheint das ehrwürdige Turnier es etwas besser mit ihm zu meinen.

„Ich habe nicht mehr so viele Chancen. Ich muss jetzt nehmen, was ich kriegen kann“, sagte Haas, den endlich auch ein intaktes Umfeld beflügelt – seine Lebensgefährtin Sara Foster als ruhender Pol genau so wie als antreibende Motivationshilfe, sein Physiotherapeut Alexander Stober als exzellenter Fitmacher und sein sportlicher Berater Thomas Hogstedt als diskreter, aber wertvoller Tippgeber.

Mit ihnen an der Seite konzentriert er sich nun endlich auf das Wesentliche, fokussiert seine ganze Willensstärke auf den Erfolg, den ihm jeder gönnt. „Das ganze Tennis freut sich für Tommy. Keiner hat nach all den Schicksalsschlägen den Erfolg so verdient wie er“, sagte der ehemalige Wimbledon-Champion Pat Cash (Australien) in der BBC. Überraschend gewann Haas bereits vor zwei Wochen das Rasenturnier in Halle/Westfalen, und in Wimbledon beweist er nun, dass sein Triumph kein Zufall war.

Im Viertelfinale trifft er nun auf Novak Djokovic – den hatte er bereits im Finale von Halle besiegt. „Die Erinnerung an diesen Erfolg hilft mir sicherlich“, sagte Haas. Im Moment muss er ohnehin niemanden fürchten.
Ivanovic gibt auf

Das Damen-Viertelfinale ist komplett. Dabei sind die vier topgesetzten Favoritinnen Dinara Safina, Serena Williams, Venus Williams und Elena Dementjewa komplett in die Runde der letzten Acht vorgerückt. Neben der Italienerin Francesca Schiavone ist Lisicki die einzige verbliebene ungesetzte Spielerin im Feld.

Titelverteidigerin Venus Williams hatte als erste Spielerin das Viertelfinale erreicht. Die 29-Jährige setzte sich mit 6:1, 0:1 gegen die Serbin Ana Ivanovic durch, die die Partie im zweiten Satz unter Tränen wegen einer Hüftverletzung aufgab.Titelverteidigerin Venus Williams spielt am Dienstag nach ihrem 6:1, 0:1-Aufgabesieg gegen Ana Ivanovic (Serbien). Die Amerikanerin spielt nun gegen die Polin Agnieszka Radwanska. Die Siegerin dieses Matches trifft auf Lisicki oder Safina. Die Weltranglisten-Erste setzte sich 4:6, 6:3, 6:4 gegen Amelie Mauresmo (Frankreich) durch.

Die an zwei gesetzte Serena Williams (USA) bezwang Daniela Hantuchova (Slowakei) 6:3, 6:1. Ihre nächste Gegnerin ist Viktoria Asarenka aus Weißrussland. Olympiasiegerin Dementjewa trifft nach ihrem 6:1, 6:3-Erfolg über ihre russische Landsfrau Elena Wesnina auf Schiavone, die die Französin Virginie Razzano 6:2, 7:6 (7:1) ausschaltete.
Bei den Männern hat Roger Federer das Viertelfinale erreicht. Der Schweizer bezwang in einer Neuauflage des Endspiels der French-Open den Schweden Robin Söderling 6:4, 7:6 (7:5), 7:6 (7:5). Er muss nun gegen den kroatischen Aufschlagriesen Ivo Karlovic antreten. Die britischen Tennisfans mussten lange zittern, aber am Ende hatte es Andy Murray doch in die Runde der letzten Acht geschafft. Der Schotte setzte unter dem geschlossenen Dach des Centre Courts nur mit großer Mühe 2:6, 6:3, 6:3, 5:7, 6:3 gegen den Schweizer Stanislas Wawrinka durch und hält damit den Traum vom ersten einheimischen Sieger seit 1936 aufrecht. Murrays Gegner am Mittwoch ist der ehemalige Weltranglisten-Erste Juan Carlos Ferrero aus Spanien, der überraschend den Franzosen Gilles Simon 7:6 (7:4), 6:3, 6:2 ausschaltete.



Quelle: welt.de

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