Genitalverstümmelung an Mädchen: Deutsche Ärzte wollen weiter schweigen
Kategorie: News » Germany

Genitalverstümmelung an Mädchen: Deutsche Ärzte wollen weiter schweigen

Share |

 
Diesen Artikel teilen

Berlin/Hamburg, 4. Februar 2013 - Zum „Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung“ am 06. Februar machen die TaskForce für effektive Prävention von Genitalverstümmelung und der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) aufmerksam auf die Rolle der Ärzteschaft bei der ausbleibenden Strafverfolgung gegen Eltern, die ihre Töchter der Genitalverstümmelung unterwerfen. Rund 50.000 in Deutschland gefährdete Mädchen können zu Opfern dieser Misshandlung werden.

Die Verstümmelung der Genitalien eines Mädchens bedeutet zweifelsfrei eine schwere Körperverletzung. Der Elternteil, der diese Verstümmelung zulässt oder veranlasst, ist immer Anstifter oder Mittäter.

Die Straftat kann nur verfolgt werden, wenn die Körperverletzung auch festgestellt ist, was i.d.R. nur durch den untersuchenden Arzt stattfinden kann. Dieser aber unterliegt der medizinischen Schweigepflicht und darf deshalb seine Feststellung nicht an die Strafverfolgungsbehörden weitergeben. Da das Strafrecht erst dann angewandt werden kann, wenn diese Behörden Kenntnis eines Verbrechens erhalten, führt hier die Schweigepflicht zum Schutz der Täter.

Eine gesetzlich vorgeschriebene Meldeverpflichtung der diagnostizierten Genitalverstümmelung, wie sie in weiten Teilen Europas besteht, wäre als Ausnahme der allgemeinen Schweigeverpflichtung zu definieren.

Neben Parlamentariern und Bundesregierung setzt sich insbesondere die deutsche Ärzteschaft gegen die Einführung einer Meldepflicht ein, die den Täterschutz aufheben könnte: So schreibt die Bundesärztekammer an die TaskForce, dass sie sich „nicht für die Einführung einer gesetzlichen Meldepflicht bei begangener Genitalverstümmelung bei minderjährigen Mädchen einsetzt.“
Zur Begründung heißt es, die Mädchen würden sonst womöglich nicht mehr zur Untersuchung gebracht. Dabei weiß die Kammer, dass mit der Koppelung der Meldepflicht an eine gesetzlich geregelte Untersuchungspflicht diese „Befürchtung“ auf einfache Weise ausgeräumt werden kann.
Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) verhält sich ablehnend gegenüber einer Meldepflicht an die Strafverfolgungsbehörden.

Die Frage, wie die Ärzteschaft den - durch ihr Schweigen geleisteten Täterschutz gegenüber minderjährigen Opfern – ethisch vertreten kann, wurde bislang nicht beantwortet.

Ohne konsequente Strafverfolgung, die den Tätern rechtsstaatliche Grenzen aufzeigt, gibt es auch keine nachhaltige Prävention. Daher sollte sich die Ärzteschaft endlich im Sinne der Opfer für eine Melde- und gekoppelte Untersuchungsverpflichtung der gefährdeten Kinder einsetzen.


Ansprechpartner bei redaktionellen Nachfragen:
Bernd Carstensen, Pressesprecher BDK-Bundesvorstand, Fon 0700 BDK (235) 10000
Ines Laufer, Geschäftsführerin TaskForce, Fon 01803 - 767 346 (9 ct/min aus dem dtsch. Festnetz, Mobilfunk max. 42 ct/min

Add a Comment

Anmelden um einen Kommentar zu schreiben. Neu bei Nachrichten.net? Hier registrieren.

Letzte Besucher


Nachrichten, Videos und Bilder von TaskForceFGM (Alle anzeigen)

Plan International überlässt in Hamburg 13 Mädchen der Genitalverstümmelung
Plan International überlässt in Hamburg 13 Mädchen der Genitalverstümmelung ...
Genitalverstümmelung an Mädchen: CDU-Politiker will Straf-Freiheit für Täter
Genitalverstümmelung an Mädchen: CDU-Politiker will Straf-Freiheit für Täter ...
Genitalverstümmelung an Mädchen: Deutsche Ärzte wollen weiter schweigen
Genitalverstümmelung an Mädchen: Deutsche Ärzte wollen weiter schweigen ...
Einschränkung des Aufenthaltsbestimmungsrechts als Schutz vor Genitalverstümmelung
Einschränkung des Aufenthaltsbestimmungsrechts als Schutz vor Genitalverstümmelu ...
Schutz vor Genitalverstümmelung für Mädchen in Deutschland:   Handlungsempfehlungen für Fachkräfte
Schutz vor Genitalverstümmelung für Mädchen in Deutschland: Handlungsempfehlun ...
Genitalverstümmelung an Mädchen in Hamburg: Kritik an Jugendamt wegen Unterlassung sicheren Schutzes
Genitalverstümmelung an Mädchen in Hamburg: Kritik an Jugendamt wegen Unterlassu ...