Rezension zu "Fotojournalismus" von Julian J. Rossig
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Rezension zu "Fotojournalismus" von Julian J. Rossig

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Von Willi Schewski. Hand aufs Herz, wer mag seine Fotos nicht in den führenden Print-Magazinen und (Online-) Zeitungen sehen und wer strebt es nicht an, seine Fotos durch renommierte Nachrichtenagenturen weltweit vermarkten zu lassen?

Professioneller Fotojournalismus ist eine Herausforderung und Berufung und ein sehr spannender und abwechslungsreicher Beruf. Aber ohne Arme hochzukrempeln und sich schmutzig machen, klappt es nicht mit dem professionellen Fotojournalismus.

Doch was macht eigentlich ein Fotojournalist bzw. Pressefotograf? Und worin unterscheidet er sich von einem "normalen" Fotografen? Was unterscheidet ein gutes Foto von einem sehr gutem bzw. hervorragendenden, das in Qualitätsmedien veröffentlicht wird?

Um diese und viele weitere Fragen geht es in Julian J. Rossigs Buch "Fotojournalismus". Und Rossig ist dabei einer vom Fach, arbeitet er doch seit vielen Jahren als Fotojournalist für zahlreiche Print- und Onlinemedien sowie Nachrichtenagenturen und ist Gründungsmitglied einer Fotoagentur.

Das Buch   "Fotojournalismus" ist nun (im Juni 2014) in der dritten und völlig überarbeiteten Auflage beim Verlag UVK erschienen. Nach der Erst- und Zweitauflage (2006 und 2007) ist viel in der Fotoszene geschehen. Die Digitalisierung hat die Arbeit der Fotojournalisten stark verändert, neue Veröffentlichungs- und Darstellungsformen sind hinzugekommen nebst Facebook, Twitter und Co.

Medien-Verlage kommen und kamen der neuen Zeit nur langsam nach. Manche kämpfen ums Überleben und werfen, wie Rossig ironisch in seinem Vorwort schreibt, mit "den wildesten Anglizismen" wie "Multimedia-Slideshow" und "Multi-Channel-News-Desks" um sich herum.


Und doch ist eines -trotz intelligentester Kamera- und Objektivtechniken und "Multi-Channel-News-Desks"- gleich geblieben: Die Art und Weise wie man verdammt gute, professionelle Presse-Bilder schießt, die sich von der modernen immer-vergleichbaren Massen-Bilder-Flut unterscheiden. Und darum geht es auch im Kern in der 3. Auflage des Buches "Fotojournalismus" von Julian J. Rossig.

Hervorzugeben seien hier insbesondere die Kapitel 4 bis 6, die sich, abseits von spezifischen   Kamera-Techniken/Einstellungen, um die wichtigen Elemente der Fotografie widmen, wie "Komposition" und typische Merkmale wie "Porträts", "Perspektiven" und "Gruppen".  

Ansonsten unterscheidet sich die 3. Auflage kaum von den vorherigen. Hinzugekommen sind rund 30 weitere Buchseiten nebst neuen Fotos und Erklärungen von aktualisierten Darstellungsformen. Als Erweiterung sei auf eine Webseite mit Beispielfotos, Texten und einer Linksammlung für professionellen Fotojournalismus ( http://professioneller-fotojournalismus.de/ ) hingewiesen .  

Ferner geht Rossig in seinem Buch auf intelligente Techniken wie "High Digital Range (HDR)", "Audio Slideshows" sowie ferngestauerte Flugkameras (Drohnen) ein. Dieses wird aber, ob des Umfanges der Themen, nur am Rand und relativ kurz beschrieben.  

Einziges Manko, was dem Verfasser schon in den ersten Auflagen auffiel, ist, dass in dem Buch zu wenig auf das Thema Marketing und Vertrieb für Fotojournalisten eingegangen wird.   Sehr gute und verkaufbare Bilder zu produzieren ist das Eine, sie zu vermarkten und insbesondere wo und wie, ist das Andere. Vielleicht wäre das eine Idee des Verlages, so ein Buch herauszugeben. Es gibt auf dem Buchmarkt kein einziges über genanntes Thema.

Fazit: Trotz vorgenannter Kritik ist das Buch   "Fotojournalismus" von Julian J. Rossig ein hervorragendes, praxisnahes und lehrreiches und kann man als Standardwerk bezeichnen, ist es doch auf dem deutschen Buchmarkt einmalig.

Der Verfasser lobt die flüssige und einfache Schreibe von Rossig sowie sein Talent, komplizierte Sachverhalte einfach zu erlären. Ferner sei die Übersichtlichkeit und Logik der Kapitel gelobt, sowie dass Stichwortverzeichnis, dass immer wieder dazu animiert, Themen nachzublättern.

Das Buch   "Fotojournalismus" ist sowohl für Berufseinsteiger in den Fotojournalismus geeignet, als auch ambitionierte (Nicht-Presse-)Fotografen, die ihre Werke in kommerziellen, professionellen Medien veröffentlichen wollen. Und überdies sind gezeigte Tipps und Tricks praktisch für jeden Fotografen geeignet und anwendbar - auch für diejenigen, die keine (foto-)journalistischen Ansprüche erheben, aber erzählstarke, emotionsgeladene und faszinierende Bildnisse erschaffen wollen.

Und wer weiß: vielleicht freut sich der eine oder andere einmal darüber, dass seine Fotos in großen Magazinen und Zeitungen erscheinen oder von renommierten Nachrichtenagenturen vertreten werden. Doch vorher heißt es, wie   Julian J. Rossig so schön schreibt, die Arme hochzukrempeln und "sich mitten hinein in das Geschehen" zu stürzen.

Text: Willi Schewski. Fotojournalist.Fotograf.Blogger

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