20 Jahre nach der Wende spielt die Stasi mit
Kategorie: sports » Soccer

20 Jahre nach der Wende spielt die Stasi mit

Share |

 
Diesen Artikel teilen

Bei Union Berlin riefen sie einst: "Stasi raus!" Nun gab es ausgerechnet beim Hauptsponsor eine Stasi-Enthüllung. Der Fußball-Zweitligist trennte sich. Dass es nun die Stasi war, die das ganze Gebilde zum Einsturz gebracht hat, im Berlin des Jahres 2009, klingt abenteuerlich - und doch auf ironische Weise logisch. Hatte der Millionendeal des 1. FC Union Berlin mit seinem neuen, bislang unbekannten Hauptsponsor "International Sport Promotion" (ISP) doch von Anfang an einen seltsam konspirativen Eindruck erweckt, konspirativ bis ins Detail. Die Gesellschafter der ISP wurden - offenbar auch gegenüber dem Verein - verschwörerisch geheim gehalten (angeblich Geschäftsleute aus Afrika, Brasilien und dem arabischen Raum). Die Angaben der ISP zu ihrem Firmensitz waren schlicht Propaganda: Man veröffentlichte angebliche Akten- und Lizenznummern der Handelskammer von Dubai, musste dann aber einräumen, in Wahrheit in einem Emirat namens Adschman eingetragen zu sein. Und im Nebulösen blieb auch die Frage, wie das Geld verdient wird, das die ISP bis 2014 in den Zweitliga-Aufsteiger stecken wollte: stolze zehn Millionen Euro, die erste Rate ist schon geflossen.

Da war dann von "weltweiten Netzwerken" die Rede, von einträglichem Müllhandel im Kongo, Bodenschätzen, geplanten Stadion- und TV-Projekten, von globalem "Betreuen" von Nachwuchs-Kickern und gewinnbringendem Handel mit Transferrechten. Und von den Türen wichtiger Entscheidungsträger, die man in Afrika mühelos öffnen könne, wenn man einen Klub mit dem Namen Berlin im Portfolio habe. Weil aber Nachfragen vor Ort, in Dubai, Brazzaville oder Kinshasa mehr Unbehagen als Klarheit erbrachten, stellte man sich in der Hauptstadt schon bald die Frage: Soll über den 1. FC Union Geld gewaschen werden? Eine angesichts der Widersprüche womöglich naheliegende Frage, räumten die deutschen Repräsentanten des ISP-Geflechts sogar ein, Aufsichtsrats-Chef Jürgen Czilinsky und Manager Dieter Fietz, letzterer ein ehemaliger Union-Trainer. Doch dann beteuerten die Männer stets wortreich ihre Seriosität und baten um etwas Zeit und Vertrauen. Denn man habe Großes vor mit Union.

Eine Art Ost-Berliner St. Pauli

Nun ist der Vertrag gekündigt, zwei Tage vor dem Marketingkick der "Eisernen" am Mittwoch gegen den FC Bayern (18.30 Uhr/DSF), wegen "falscher Angaben des Vertragspartners", wie der Klub mitteilt. "Eine weitere Zusammenarbeit", erklärt der Vereinspräsident Dirk Zingler, "war auch unter Berücksichtigung der rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen nicht möglich." Der bodenständige Unternehmer Zingler galt bisher als Glücksfall für Union: Nach mehreren Beinahe-Pleiten stellte er den Köpenicker Klub auf eine solide wirtschaftliche Basis und bewahrte zugleich seine Identität: als eine Art Ost-Berliner St. Pauli, volksnah und rebellisch, ein Gegenstück zum um sich greifenden Kommerzfußball. Wohl auch deshalb leisteten gerade erst rund 2000 Helfer mehr als 100000 freiwillige Arbeitsstunden, um das Stadion an der Alten Försterei zu renovieren - unentgeltlich. Auch der Präsident griff zur Schaufel.


Quelle: sueddeutsche

Add a Comment

Anmelden um einen Kommentar zu schreiben. Neu bei Nachrichten.net? Hier registrieren.

Letzte Besucher


Nachrichten, Videos und Bilder von Micha74 (Alle anzeigen)

Pforzheim: Tödliches Familiendrama
Pforzheim: Tödliches Familiendrama ...
Die FDP ist unsexy – und deshalb modern
Die FDP ist unsexy – und deshalb modern ...
Philip Morris zu Millionenzahlung verurteilt
Philip Morris zu Millionenzahlung verurteilt ...
Enke, Sneijder, Van der Vaart -  Wen holt Bayern?
Enke, Sneijder, Van der Vaart - Wen holt Bayern? ...
Gelsenkirchen: Frau schießt vor Gericht auf den Ex-Mann
Gelsenkirchen: Frau schießt vor Gericht auf den Ex-Mann ...
Nackte Frauenleiche in Fass gefunden
Nackte Frauenleiche in Fass gefunden ...