Leukämie: Handballer werden zu Lebensrettern
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Leukämie: Handballer werden zu Lebensrettern

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Die Reisetasche steht halb gepackt am Bettende, Klamotten drum herum – per WhatsApp kommen noch eilige Tipps für den Urlaub: Marc Mielisch kann fast schon die Sonne von Rhodos spüren. Bereitwillig wendet er dennoch seine Gedanken ab vom nahen Strandfeeling, hin zu einem 43-jährigen Franzosen. Dieser Mann träumt nicht vom Urlaub, sondern vom Gesundwerden: Er hat Leukämie und dank der Stammzellspende des Emsdetters hat er nun eine echte Chance auf Leben.

„Der Mann brauchte meine Hilfe und ich hatte das, was er brauchte.“ Auf diese kurze Formel bringt der 20-jährige seine Spendenaktion mitten während des Abiturs. „Das ist keine große Sache.“ Vor einem Jahr erst wurde der Handballspieler typisiert. Damals hatte sich die ganze Mannschaft des TV Emsdetten (Kreis Steinfurt) dafür gemeldet. Und diese Mannschaft ruft jetzt auch beim Handballturnier „Emsdettener Wanne“ am Samstag, 27. August, dazu auf es Marc Mielisch nachzutun und sich als Spender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren lassen.

Zwischen den Sportlern und der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld bestehen persönliche Beziehungen und natürlich hat Deutschlands älteste Spenderdatei gerne ein Team in den Norden geschickt, um die Proben für die Typisierung zu entnehmen. 11.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Leukämie. Ohne eine Stammzellspende hätten sie kaum eine Chance gesund zu werden. Für sie sucht die Stefan-Morsch-Stiftung seit 30 Jahren geeignete Spender für Knochenmark oder Stammzellen.

Einen „genetischen Zwilling“ zu finden, ist und bleibt ein Glücksfall. Dass Marc Mielisch schon ein Jahr später von der Stiftung kontaktiert wurde, ist daher eine Überraschung. „Und ich bin noch nicht mal der erste aus der Mannschaft, dessen genetische Merkmale passten und der spenden konnte“, erzählt der Abiturient. Mit dem Teamkollegen hat er sich unterhalten, wie die Spende ablaufen werde: Es folgen zunächst weitere Blutuntersuchungen, dann die Gewissheit, dass die erforderlichen Merkmal passen. Und dann das vorbereitende Spritzen eines Medikaments, das seine Stammzellproduktion anregt.

Dabei kann es zu leichten gesundheitlichen Auswirkungen wie grippeähnlichen Symptomen kommen. „Ich habe kaum was gespürt“, zuckt der 20-Jährige die Achseln. Er solle viel trinken und „daran habe ich mich gehalten.“ Der begeisterte Handballer – ein Rückraumspieler - verzichtete in dieser Zeit auch aufs Training - „was ja nicht schlimm ist“ -, um sich und vor allem seine Milz zu schonen. Alles kein Problem.

Dann ging es ab nach Birkenfeld zur Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung. Sein Vater hatte sich extra freigenommen, um den Sohn dahin zu begleiten. Bei der so genannten peripheren Stammzellentnahme – der Apherese – werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert. Es ist die heute gängigste Entnahmemethode. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich. Auch hierbei entpuppte sich Marc Mielisch als Glücksgriff: Sein Körper hatte fleißig Stammzellen produziert, so dass die Entnahme in kürzester Zeit erledigt war. „Ein so genannter guter Spender mit sehr guten Werten“, sagt dazu die zuständige Ärztin bei der Stiftung, Dr. Angelika Himmel.

„Die Unterbringung war gut, das Essen toll, die Betreuung vor Ort prima“: Marc Mielisch hat von seinem Ausflug ins rheinland-pfälzische Birkenfeld nur positive Eindrücke. Jetzt wünscht er „seinem“ Empfänger, dass dessen Körper die übertragenen Zellen gut annimmt und er es tatsächlich schafft.
Dann pingt das Handy, Rhodos ruft. Und die Gedanken kehren wieder zurück zur Reisetasche: 14 Tage blauer Himmel und weites Meer. Danach Informatikstudium – hoffentlich - in Münster. Das Leben geht weiter. „Wenn ich einmal Hilfe brauche, dann hoffe ich, dass Andere für mich da sind. Jetzt meinerseits zu helfen, ist für mich daher eine Selbstverständlichkeit.“

Online-Typisierung: Über die Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) kann man sich jederzeit als Stammzellspender erfassen lassen. Über den Online-Registrierungsbutton auf der Startseite kommt man zur Einverständniserklärung. Dort müssen eine Reihe von Gesundheitsfragen beantwortet werden, deshalb sollte die PDF „Wie werde ich Spender?“ vorab genau gelesen werden. Nach dem Ausfüllen der Einverständniserklärung bekommt man ein Registrierungsset mit genauer Anleitung zugeschickt. Für den Spender, der jünger ist als 40 Jahre, entstehen dabei keine Kosten. Geldspenden sind jedoch für Spenderdateien unverzichtbar, da jede Spenderregistrierung mindestens 40 Euro verursacht. Auch die Spendenkonten sind auf der Homepage nachlesbar. Über unsere gebührenfreie Hotline (08 00 - 766 77 24) können Sie weitere Informationen einholen. Weitere Infos findet man auch auf der Homepage oder über unsere Facebook-Seite.

Wer sich auch als potenzieller Lebensretter in der Datei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren lassen möchte, hat im August die Gelegenheit dazu. Gemeinsam mit dem DRK-Blutspendedienst West ruft die Stefan-Morsch-Stiftung an vielen Blutspendeterminen in Nordrhein-Westfalen zur Typisierung auf. Die Termine im Kreis Steinfurt sind am:

Freitag, 5. August, 16.30 bis 20.30 Uhr, Recke, Rat-/Bürgerhaus, Hauptstraße 29

Freitag, 19. August, 16.30 Uhr bis 20 Uhr, Ibbenbüren-Püsselbüren, Familienzentrum, Kirchstraße 16

Auch die Handballer des TV Emsdetten haben wieder einen Typisierungsaufruf gestartet:

Während der „Emsdettender Wanne“s am Samstag, 27. August 2016, kann man sich zu folgenden Zeiten typisieren lassen:
Halle am Martinum-Gymnasium
11:00 Uhr - 12:30 Uhr
Euregio-Halle:
13.00 Uhr - 14:30 Uhr
Emshalle:
15.00 Uhr - 16:30 Uhr

Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ leistet sie schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem todkranken Patienten das Leben gerettet werden kann.

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