„Maurice und die Vampire" hat ein Happy End
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„Maurice und die Vampire" hat ein Happy End

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„Gut!“, grinst Maurice Klar, wenn man ihn fragt, wie es ihm geht. Was sollte ein 18 Jähriger   auch sonst antworten? Er hat einen guten Ausbildungsplatz, seine Freundin sitzt neben ihm und Mama tut ebenfalls noch ihr Bestes, dass der „Jungen“ alles hat, was er braucht.   Alles ganz „normal“. Doch eine Selbstverständlichkeit ist die Aussage nicht. Vor 15 Jahren erkrankte Maurice an Leukämie. Eine Stammzellspende hat sein Leben gerettet. Der Krebs ist besiegt.   Doch ein paar Mal im Jahr ist der 18 Jährige für die Stefan-Morsch-Stiftung unterwegs, und wirbt dafür sich als Spender registrieren zu lassen – so auch am Sonntag, 23. August, in Coesfeld.

„Weil ich etwas zurückgeben möchte“, sagt Maurice und erzählt seine Geschichte, die zeigt, was man bewirken kann, wenn man sich als Stammzellspender registrieren lässt. An die Zeit als er krank wurde, kann er sich nicht mehr erinnern. Aber seine Mutter weiß das noch ganz genau: „Er war drei Jahre alt und bekam eine Mittelohrentzündung, von der er sich nicht erholte.“ Schmerzen im Bein und ein Hüftschnupfen, machten der gelernten Arzthelferin Sorgen. Nachdem sie bei verschiedenen Ärzten und Kliniken war und ein Blutbild gemacht wurde, kam die Diagnose: akute lymphatische Leukämie.   Sie hatte es geahnt: „Man weiß, dass es jeden treffen kann. Nur dass man selber einmal betroffen ist, das glaubt man nicht!“   Schnell ist auch klar, dass eine Chemotherapie nur wenig bringen würde. „ich bin wie in ein Loch gefallen“, sagt die Mutter heute.   Es wurde ein Stammzellspender gesucht – die letzte Hoffnung. Die Eltern wenden sich an die Stefan-Morsch-Stiftung und organisieren einen öffentlichen Aufruf: „Hilfe für Maurice“  

In Dortmund-Aplerbeck werden Plakate gedruckt, Handzettel verteilt und über die Medien ein großer Aufruf zur Typisierung gestartet: Alle wollen dem kleinen Jungen helfen – egal ob Sparkassenmitarbeiter, Polizisten des Polizeipräsidiums Dortmund oder Fußballer von Borussia Dortmund. Jürgen Kohler, damals BVB-Kapitän, und Stefan Reuter, unterstützen den Aufruf. Mehr als 5000 Menschen lassen sich typisieren. Sie alle wollen Patienten wie Maurice eine Chance auf Leben geben.  

Eine solche Typisierungsaktion hat immer nachhaltige Wirkung – manchmal kann schon nach wenigen Wochen oder Monaten ein Spender, der sich heute hat typisieren lassen, einem Menschen Hoffnung auf Leben schenken. In jedem Fall aber bietet die Typisierung die Chance, dass nach Jahren, aber auch noch Jahrzehnte später Leben gerettet werden kann.   So werden durch die Typisierungsaktionen von 2001 in Dortmund immer noch Leben gerettet: 35 Lebensretter sind aus diesen Dortmunder Aktionen bislang hervorgegangen.

Doch für Maurice einen Spender zu finden, war nicht so einfach. Seine Gewebemerkmale sind selten. Im Familienkreis gibt es auch niemanden, der helfen könnte. Dann kommt die Nachricht: Auch Maurice kann transplantiert werden: Am 29.Juni 2001 bekommt er in Idar-Oberstein die rettende Transfusion.   „Es war wie ein Lottogewinn.“ Heike Klar ist heute noch stolz darauf, wie tapfer ihr Junge diese Zeit durchgestanden hat: „Er hat alles mitgemacht.“

Weil viele Menschen damals noch nicht wissen, dass man durch eine Stammzellspende das Leben von Leukämie- und Tumorkranken retten kann, wird die Idee geboren, über Maurice und seinen Kampf gegen den Blutkrebs einen Film zu drehen.   Ein Filmteam begleitet die Familie. Der kleine Junge hat damals die Vorstellung, dass Vampire sein gutes Blut aufsaugen. Das liefert den Titel zu dem Film „Maurice und die Vampire“, der in den kommenden Jahren viele Menschen davon überzeugt, sich typisieren zu lassen.   Maurice wird gesund.   Er macht seinen Schulabschluss und beginnt eine Ausbildung zum Informations- und Telekommunikationselektroniker. Er ist Ringer, spielt Volleyball, Badminton und Fußball. Die „Borussia“ ist immer noch „sein“ Verein. Der Kontakt zur Stefan-Morsch-Stiftung besteht weiter. Immer wieder unterstützt er Aufrufe der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands: „Ohne die Stiftung wäre meine Geschichte nicht so ausgegangen.   Durch die Mithilfe bei den Aufrufen will ich einfach etwas zurückgeben.“  

Seinen Spender würde Maurice gerne kennenlernen. Unter Beachtung datenschutzrechtlicher Bestimmungen ist dies in Deutschland   zwei Jahre nach der Transplantation möglich, wenn Spender und Empfänger damit einverstanden sind. Maurice Spender wollte aber bislang anonym bleiben. Er und seine Familie respektieren das, aber: „Es wäre schön, einfach mal Danke sagen zu können.“  

Vor kurzem hat er die Stefan-Morsch-Stiftung mal wieder besucht – unter anderem auch, um die „Fortsetzung“ seiner Geschichte im Film festzuhalten. Emil Morsch, Vorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung, freut sich immer wieder Maurice zu treffen: „Er ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass unsere Arbeit und das Engagement der vielen Spender Früchte trägt. Stammzellspende rettet Leben.“

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