Weltmilchtag 2018
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Weltmilchtag 2018

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Migros gibt den Kälbern, deren Milch du raubst, einen Namen

Die Migros-Genossenschaft, ein Detailhandelsunternehmen aus der Schweiz, will sich mit neuen Richtlinien von "ausländischer Billigmilch" abheben. Dazu gehört auch die Vorschrift, den Kälbern einen Namen zu geben.

Wie jedes Jahr informiert die Tierrechtsinitiative Maqi am 1. Juni, dem sogenannten "Weltmilchtag", über die Tierausbeutungspropaganda der Milchindustrie. Die Richtlinien, auf welche mit einer Medienmitteilung[1] aufmerksam gemacht wurde, sind ein typischer Versuch, die Produktion von "Milch" als nachhaltig, wirtschaftlich und tiergerecht darzustellen. Wer die Propaganda durchschaut, sieht schnell die Auswirkungen. Weder die genauen Richtlinien, noch die Erklärung, wie etwa der Ausstoß von Nitrat, Ammoniak, Lachgas und Methan reduziert werden sollen, werden in der Medien-Information genannt oder wieso mehr "Wiesenfutter" verwendet werden soll, obwohl dies mit dem Bienensterben in Verbindung gebracht wird[2]. Laut Presse-Sprecherin der Migros sollen die Konsumenten nicht mehr für die aus den Eutern der Mütter gewonnene Ausscheidung bezahlen. Wer Rinder für Milch ausbeutet und diese Richtlinien einhält, erhält von der Migros einen "Nachhaltigkeitszuschlag". Wird die Wirtschaftlichkeit der Tierausbeutung für die Produzenten durch massive Subventionen und Zuschläge gestärkt, so wird dieses auf Mord und Ausbeuterei basierende System nur weiter gefördert.

Der entscheidende Punkt, wieso Tierprodukte abzulehnen sind und worauf die Tierausbeuter kaum eingehen, ist die Tatsache, dass für "Milch" Millionen qualgezüchtete Kühe jährlich geschwängert und, sobald nach vier bis fünf Jahren die Milchleistung dennoch zurückgeht, umgebracht werden - ebenso wie alle dabei entstehenden männlichen Kälber sowie ein Großteil der weiblichen (bis auf die, welche die getöteten "Milchkühe" ersetzen).

Dass die Kälber einen Namen erhalten, soll für die Gesundheit des Tieres förderlich sein. Dies wird nichts daran ändern, dass männliche Kälber, welche keine "Milch" produzieren (und somit für die Milchproduktion ungeeignet sind), nach wenigen Monaten getötet und als "Kalbfleisch" verkauft werden.

Während die meisten Tierschutzrichtlinien darauf ausgelegt sind, den Zustand der Ausbeutung der naiven Einbildung der Kundschaft anzupassen, damit diese ihre realitätsfremde Vorstellung nicht hinterfragt, so erinnern Namen höchstens an Kinderbücher, wo die Tierausbeuter die Tiere beim Namen nennen. Oder daran, dass "Haustiere" üblicherweise von den Menschen einen Namen erhalten. Für die Opfer der Milchproduktion spielt es aber keine Rolle, wenn ihnen neben der Nummer auf der Ohrmarke noch ein Name zugewiesen wird. Diese Namen sind ohnehin nur einer Liste entnommen. So gibt es seit langem Listen mit Namen, welche für ausgebeutete Tiere verwendet werden.

Zum Sozialverhalten von Rindern ist einiges bekannt. Gerade die Tierausbeutungsindustrie führt Versuche zum Verhalten von Tieren durch, denn sie versprechen sich dadurch effizientere Ausbeutungsformen zu entwickeln. Und diese werden dann, weil sie sich auf das Sozialverhalten der Tiere stützen, als besonders "artgerecht" bezeichnet. In Freiheit leben Kühe mit ihren Kindern in Herden von 20 bis 50 Tieren. Bullen hingegen leben in sogenannten Junggesellengruppen oder als Einzelgänger. Rinder kommunizieren, gehen Freundschaften ein und können ihre Artgenossen visuell unterscheiden, auch auf Bildern[4].

Sklavennamen waren auch bei menschlichen Sklaven üblich. Aber kaum jemand würde auf die Idee kommen, diese Namen seien ein Zeichen der Wertschätzung gewesen; und einige legten ihre Sklavennamen ab.

Die Boulevardzeitung Blick schreibt: "Kälbchen werden getauft"[5]. Zwar bedient sich die Migros nicht solcher religiöser Begriffe, sagt dazu aber: "Auch dass beispielsweise jedes Kalb nach der Geburt einen Namen erhält, ist eine Grundanforderung, weil es die Wertschätzung gegenüber den Tieren zum Ausdruck bringt"[1] und der Leiter des Agrarpolitik- und Milchbeschaffungsdienstes der Migros-Tochter Elsa meint, es sei "für die Gesundheit des Tieres förderlich"[6]

Die angebliche Wertschätzung wird also als Grundanforderung definiert. Wären die neuen Richtlinien tatsächlich religiös begründet, so stellt sich die Frage, ob auch andere religiöse Vorstellungen Relevanz finden würden. Der katholische Papst Jorge Mario Bergoglio, bekannt als Franziskus, sagte kürzlich, Kinder hätten ein "Recht auf christliche Erziehung" und könnten persönlich "jenen Glauben bestätigen, in dem sie getauft sind"[7]. Gemeint sind wohl solche Ratschläge wie "Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten."[8]. Bei religiösen Tierausbeutern könnte es durchaus vorkommen, dass solche bronzezeitlichen Vorstellungen für die Kindeserziehung auch auf Kälber übertragen werden.

Es spricht nichts dagegen, nichtmenschlichen Tieren, um die ein Mensch sich sorgt, einen Namen zu geben. Es lässt sich aber nicht rechtfertigen, Tiere für ihre Körper, Haut, Haare oder Ausscheidungen auszubeuten. Wer dies einsieht, wird vegan.

Quellen:

[1] https://www.migros.ch/dam/jcr:c075d47a-2ef7-4c5b-9ec8-51b3dcbc9c90/medienmitteilung-nh-milch-de.pdf
[2] https://www.br.de/nachrichten/warum-sterben-beim-wiesen-maehen-die-bienen-100.html
[3] http://swissgenetics.ch/onlineservice/tiernamen/
[4] https://link.springer.com/article/10.1007/s10071-010-0361-6
[5] https://www.blick.ch/news/wirtschaft/neuer-standard-fuer-konventionelle-milch-darum-macht-die-migros-ihre-milch-ein-m-natuerlicher-id8274122.html
[6] http://www.20min.ch/finance/news/story/Alle-Migros-Kaelber-sollen-Namen-haben-24409958
[7] https://www.kath.ch/newsd/franziskus-kinder-haben-ein-recht-auf-christliche-erziehung/
[8] http://antitheismus.de/archives/214-Weltgebetstag-2015.html

Maqi - für Tierrechte, gegen Speziesismus setzt sich für eine Verwirklichung der Tierrechte (so etwa das Recht auf physische und psychische Unversehrtheit), die Abschaffung der Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Spezies (analog zu Antirassismus und Antisexismus) und die Etablierung einer veganen Gesellschaft ein.

Nähere Informationen und Bildmaterial bei Maqi - für Tierrechte, gegen Speziesismus, c/o Achim Stößer, Berliner Str. 34, D-63619 Bad Orb, Tel. 06052 309788, [email protected], http://maqi.de.

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