Ein Flüchtlingslager brennt
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Ein Flüchtlingslager brennt

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Europa schaut mit Entsetzen auf die Insel Lesbos und die Bilder die von uns dort erreichen. Sie haben nichts mit dem Charme der Hellenen zu tun, nichts mit Gyros, Ouzo und Sirtaki, nichts von Sonne, Sand, Strand und Meer. Nein, sie sind das Ergebnis einer völlig verfehlten Flüchtlingspolitik und eines absoluten Totalversagens der Europäischen Union.
Ich werde in diesem Jahr 44 Jahre alt. Seit ich denken kann, erzählt man mir die so tolle Geschichte eines einheitlichen und friedlichen Europas. Kriege gehören der Vergangenheit an, Grenzen gibt es nicht mehr, alle Menschen haben sich lieb, die pure Harmonie. In Brüssel treffen sich befreundete Staatsmächte. Die Sonne scheint, die Welt ist schön.
Von wegen!!!!
Wer heute von „Europas Glückseligkeit“ spricht, der verkennt die Realität, so wie sie wirklich ist. Die Lage im spanischen Baskenland war und ist angespannt. Der Ruf nach Unabhängigkeit ist zwar leiser geworden, da ist er aber noch immer. Serben und Kosovaren sind einander, um es nett zu formulieren, nicht gerade freundlich zugetan. Die Griechen haben einen jahrelangen Konflikt mit ihrem Nachbaren Mazedonien erst beendet, als dieser kleinlaut bereit war, seinen Namen zu ändern. Ungarn hat einen riesigen Zaun aus Stacheldraht errichtet. England hat sich gleich ganz verabschiedet.
Europa hat „Großes“ bewirkt, ganz ohne Frage, das sage ich völlig frei von jedem Sarkasmus. Wie schwer war es doch, noch vor 30 Jahren einfach mal nach Polen zu reisen. Der Nachbar wirkte meilenweit entfernt. Heute ist es nur ein Katzensprung bis auf dessen Straßen und Märkte. Aber, so wunderbar all das ist, das Bild von Europa, es hat einen gewaltigen Riss bekommen.
In Brüssel scheint man in einem ganz eigenen Kosmos zu leben, wo die Probleme unserer Zeit ganz andere sind. Hier kämpft man gegen stromfressende Staubsauger, zu helle Glühbirnen und ganz aktuell, gegen Menthol in Zigaretten. Man könnte fast darüber lachen, wenn es nicht die traurige Wirklichkeit wäre.
Auf der griechischen Insel Lesbos - und nicht nur dort – werden Menschen wie Tiere gehalten, eingesperrt und ihrer Zukunft beraubt. Man lässt sie das Meer überqueren, gaukelt ihnen vor, sie hätten es geschafft und überlässt sie am Ende doch sich selbst. Bei aller Begeisterung für den europäischen Gedanken: In der Krise versagt die EU und hat keinerlei Lösungen anzubieten. Einigkeit und ein geschlossenes Auftreten? Fehlanzeige!
Wir streiten darüber, ob wir Menschen helfen sollen und wenn ja, wie vielen von ihnen. Wir diskutieren, ob wir sie verteilen können und wenn ja, wohin und zu welchen Anteilen. Wie zynisch ist das? An die Folge unseres Handelns denken wir dabei nicht.
Was wir hier entstehen lassen, das ist ein riesiger Hass auf ein vermeidlich, heiliges und gelobtes Land. Für die Flüchtlinge, die so eingesperrt werden, wird das einstige „Paradies Europa“ zu einer „Hölle der Ungewissheit“.
Was züchten wir uns da auf diese Art und Weise heran? Der Terrorismus von morgen wird heute geboren. All die Menschen in den verschiedenen Lagern sind nicht weg, nur weil wir sie nicht sehen wollen oder wir ihren Anblick nicht ertragen können.
Vielleicht sollten wir endlich anfangen und von unserem hohen Ross hinuntersteigen. Wenn Europa eine einheitliche Flüchtlingspolitik nicht realisieren kann, dann muss die EU-Außengrenze ganz anders geschützt und gesichert werden. Eines aber dürfen wir dabei auf keinen Fall tun, weiter wegsehen.
Die Flüchtlinge werden kommen und unsere Frage muss sein: Warum? Haben wir es vielleicht versäumt, die Hilfe dort anzusetzen, wo sie hingehört, nämlich in der Heimat der Vertriebenen? Wir leben im Jahr 2020, warum müssen Menschen heute noch aus Not und Angst in einen fremden Kontinent fliehen? Wo war und wo ist das große Europa im Syrien-Krieg? Hat man in Brüssel wirklich so gar nichts anzubieten?
Fakt ist, die Menschen auf Lesbos brauchen eine Zukunft und damit sind nicht nur die Flüchtlinge gemeint. Dieses gilt genauso auch für die Griechen, die hier nun schon seit Jahren mit den Flüchtlingen alleine gelassen werden und die an dieser menschlichen Tragödie fast ersticken. Verzweifelt sind sie schon lange. Den Glauben an die EU haben sie längst verloren. Wo werden diese Griechen bei der nächsten Wahl wohl ihr Kreuz machen? Bei einer sozialistischen Partei, die von der Schönheit Europas philosophiert?
Boote aufs Mittelmeer zu entsenden und Flüchtlinge dort aufzunehmen ist so lange der völlig falsche Weg, so lange man nicht weiß, was mit diesen eigentlich passieren soll. Sie einzusperren ist weder Hilfe, noch menschlich und schon gar nicht christlich. Es ist das Versagen eines ganze Kontinents. Wir müssen endlich aufwachen!
Europa muss handeln, nicht morgen, nicht nächste Woche - JETZT!!!! Wir sprechen hier von Menschen, die das Recht haben, sicher und geschützt in ihrer Heimat zu leben, nicht von Glühbirnen oder Menthol in Tabakwaren.

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