Comeback-Titelgewinn:
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Comeback-Titelgewinn:

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Die Schweizer Tennis-Expertin Doris Rickenbacher äußert sich zu den Comebacks von Justine Henin und Kim Clijsters, zur Situation in der WTA-Tour und zu Martina Hingis.

Nach dem erfolgreichen Comeback von Kim Clijsters (26) greift auch Justine Henin (27) wieder zum Tennis-Racket. Überrascht Sie dieser Schritt der ehemaligen Nummer 1 aus Belgien?
Ja, schon etwas. Denn noch vor wenigen Monaten hatte Henin Comeback-Gerüchte heftigst dementiert und in diversen Interviews stets betont, dass sie noch nie in ihrem Leben so glücklich gewesen sei wie heute. Endlich könne sie ihr Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung ausleben. Aber ich gehe mal davon aus, dass die erfolgreiche Comeback-Mission von Clijsters bei ihr die Lust auf eine Rückkehr in den Proficircuit geweckt hat.

Die WTA begrüsst die Rückkehr von Henin. Tun Sie das auch?
Oh ja. Henin ist wie Clijsters nicht nur eine herausragende Tennisspielerin, sondern auch eine grosse Persönlichkeit, die der derzeit ziemlich konkurrenz- und profillosen WTA-Tour nur gut tun kann.

Interessant ist, wie schnell beide Belgierinnen auf ihren Rücktritt vom Rücktritt gekommen sind. Ist das Leben für die beiden ohne Tennis einfach zu langweilig geworden?
Davon gehe ich aus. Ansonsten hätten sich die beiden wohl kaum zu einer Rückkehr entschlossen, zumal das Leben als Tennisprofi ja auch mit vielen Strapazen und Entbehrungen verbunden ist.

Bei allem Respekt: Dass eine zurückkehrende Spielerin und Mutter wie Clijsters mehr oder weniger sofort ein Grand-Slam-Turnier wie das US Open gewinnen kann, spricht nicht gerade für die Qualität des Frauentennis…
Das erfolgreiche Comeback von Clijsters stellt dem Frauentennis tatsächlich kein gutes Zeugnis aus. Bei den Männern wäre ein solcher Überraschungscoup nicht denkbar. Hier sind grosse Erfolge nur möglich, wenn konstant auf hohem Level gespielt wird.

Bei den Frauen ist der Spitzenplatz in der Weltrangliste nach dem Abgang von Clijsters und Henin zu einem Schleudersitz mutiert. Beinahe monatlich wechseln sich ein halbes Dutzend Spielerinnen auf dem Tennisthron ab. Als gehaltvolle Konkurrenz kann dies keineswegs bezeichnet werden. Es fehlen der WTA-Tour dominierende Figuren, die ein prägendes Format haben. Die letzte Spielerin, die eine solche Machtposition innehatte, war Henin.

In New York haben auch jüngere Spielerinnen von sich reden gemacht. Können junge Profis wie die Dänin Caroline Wozniacki oder die Amerikanerin Melanie Oudin den Sprung ganz nach oben schaffen?
Wozniacki verfügt zweifellos über das Potenzial einer zukünftigen Nummer 1. Sie ist erst 19 Jahre alt und bereits die Nummer 5 der Welt. Bei der 17-jährigen Oudin ist eine Prognose schwierig. Zu viele junge Tennistalente sind in der Vergangenheit schon verglüht, bevor ihr Stern überhaupt richtig glänzen konnte. Die Amerikanerin ist zweifellos sehr talentiert. Sie muss aber erst noch beweisen, dass sie konstant auf hohem Level spielen kann.

Wohin steuert das Frauentennis? Glauben Sie, dass es attraktiver wird als zuletzt? Oder ist es schon attraktiv genug?
Die Rückkehr von Clijsters und Henin weckt bei mir schon die Hoffnung, dass der leidenschaftslose Kampf um den Topplatz im Ranking bald ein Ende haben wird. Etwas mehr Konkurrenz kann dem Frauentennis nur gut tun, auch wenn die mangelnde Qualität auf den Plätzen dem Geschäft der WTA-Tour bislang nicht geschadet hat. Die Fernsehberichterstattung zum Frauentennis ist in den vergangenen sechs Jahren um 30 Prozent gestiegen, das Sponsorenaufkommen gar um 500 Prozent. Zu verdanken ist dieser Erfolg attraktiven Spielerinnen wie Maria Scharapowa und Ana Ivanovic, deren optische Vorzüge von den WTA-Werbestrategen konsequent vermarktet wurden. Die altbewährte Marketingstrategie «Sex sells» funktioniert auch im Frauentennis bestens.

Noch ein Wort zu Martina Hingis. Eigentlich wäre sie nun ja mit ihrer Comebackankündigung an der Reihe…
Ich denke nicht, dass sie zurückkehren wird. Im Gegensatz zu Clijsters und Henin war ihr leider wegen der Kokain-Affäre kein rühmlicher Abgang beschieden. Es ist ungewiss, ob sie mit derart offenen Armen im Circuit empfangen werden würde wie jüngst Clijsters und Henin.


Quelle: bazonline.ch

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