Fachkräftemangel in der Zeitarbeitsbranche
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Fachkräftemangel in der Zeitarbeitsbranche

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von Ansgar Lange +++ Augsburg/Sindelfingen, Mai 2011 - Die Zeitarbeitsbranche hat in Deutschland keinen guten Ruf. Nach einer repräsentativen Befragung der Orizon GmbH http://www.orizon.de "Arbeitsmarkt 2011 - Perspektive der Arbeitnehmer" rechnen nur 12 Prozent der Arbeitnehmer damit, dass Personaldienstleister Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen oder Weihnachtsgratifikationen anbieten. Lediglich 4,3 Prozent trauen der Branche eine betriebliche Altersversorgung zu. All dies summiert sich zu einem massiven Imageproblem, denn für die meisten Arbeitnehmer stehen genau diese Aspekte ganz oben auf ihrer Wunschliste.

"Mit diesen Ergebnissen hat die Branche tatsächlich ein Thema. Nicht weil wir diese Leistungen nicht anbieten - alle genannten Punkte sind für uns und etliche andere der großen Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland eine absolute Selbstverständlichkeit. Sondern weil wir nicht offensiv genug dem in der öffentlichen Meinung bestehenden Klischee von Zeitarbeit entgegentreten", sagt Orizon-Geschäftsführer Dieter Traub.

Der Beitrag der Zeitarbeit zum wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland ist jedenfalls beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) http://www.iwkoeln.de in Köln unbestritten. Die Forscher errechneten, dass 15 Prozent des Wirtschaftswachstums im vergangenen Jahr auf Zeitarbeiter entfielen. Diese hätten damit etwa jeden siebten Euro des Aufschwungs erwirtschaftet, dabei machten sie nur gut zwei Prozent der Beschäftigten aus.

"Zeitarbeit, flexible Arbeitsformen und befristete Verträge sind wesentliche Bestandteile des Aufschwungs, auch wenn dies hauptamtliche Gewerkschaftsfunktionäre, Angehörige des öffentlichen Dienstes oder auch Mitarbeiter mit jahrzehntelanger Betriebszugehörigkeit nicht wahrhaben wollen. Sie leisten ebenso ihren Anteil wie die Stammbelegschaften. Man sollte nicht immer Stammbelegschaften gegen Zeitarbeiter ausspielen, auch wenn dies am 1. Mai zur gewerkschaftlichen Folklore zu gehören scheint. Es ist sicherlich richtig, dass wir einen gewissen Schutz geringer qualifizierter Kräfte brauchen. Hungerlöhne sind nicht nur unethisch, sondern bringen keinen langfristigen Erfolg. Hier kann der Staat gegebenenfalls regulierend eingreifen", sagt der Personalexperte Michael Zondler, Geschäftsführer der Personalberatung Centomo http://www.centomo.de aus Sindelfingen. "Im High-Skill-Bereich sieht die Lage jedoch völlig anders aus. Hier regeln sich die Preise rein marktwirtschaftlich über Angebot und Nachfrage von alleine. Manche Experten sprechen ja schon von einem Fachkräftemangel in der Zeitarbeitsbranche. Eine positive Folge dieses Mangels wird sein, dass die Löhne marktgerecht sein müssen, also generell eher steigen werden", prognostiziert Zondler. Zudem arbeiten viele Unternehmen gerade im IT-Bereich projektbezogen mit hochflexiblen und bestens ausgebildeten Freiberuflern zusammen. "Der Markt für freiberufliche Spezialisten wächst permanent. Mittlerweile bewegen sich alleine in der IT- und Ingenieurs-Zunft rund 130.000 Freelancer in deutschen Unternehmen", so die Schätzung des Centomo-Managers.

Dass die Zeitarbeitsbranche zunehmend Probleme hat, qualifizierte Mitarbeiter in Deutschland zu finden, bestätigt der Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP), Volker Enkerts. "Deutschland nähert sich der Vollbeschäftigung, und wie andere Arbeitgeber auch, haben wir große Probleme, Fachkräfte zu finden", so Enkerts gegenüber der Tageszeitung "Die Welt". Man setze daher verstärkt auf Fachkräfte aus Osteuropa. Es sei Fakt, dass viele Arbeitnehmer lieber in einem "konventionellen Unternehmen" als in der Zeitarbeitsbranche beschäftigt sein würden. Um im harten Wettbewerb Fachkräfte zu finden, könnten auch in der Zeitarbeitsbranche übertarifliche Leistungen gezahlt werden, so der Verbandsvertreter gegenüber der "Welt". Zudem erhoffe er sich durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit aus Osteuropa neue Impulse für die Branche. Denn der Jobmotor Zeitarbeit, der ins Stottern geraten ist, soll ja nicht gleich ganz abgewürgt werden.
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