Klarnamenzwang und Produktbewertung - Auswirkungen auf Datenhaltung im Internet
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Klarnamenzwang und Produktbewertung - Auswirkungen auf Datenhaltung im Internet

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Zuletzt am 07.08.2011 wurde in der Politik der Ruf danach laut, dass alle Meinungsäußerungen im Internet insofern nachvollziehbar gestaltet werden sollen, als dass der jeweilige Verfasser bzw. die Verfasserin mit ihrem realen Namen auftreten müssen. Bundesinnenminister Friedrich sprach von einem „Klarnamenzwang".

Joachim Weifels, Inhaber des Reputationsdienstes Internetwacht Monitoring und Autor des Buches "Schlecht vernetzt im Internet" zum Klarnamenzwang: „Es gibt sicher einen oder mehrere vernünftige Gründe, einen solchen Schritt zu erwägen. Es muss nicht immer der politisch motivierte künftige Attentäter sein, der im Internet mittels der Klarnamenregelung noch vor dem Anschlag gefasst worden wäre, oder der Anführer eines Flashmobs, der mittels eigens angegebenem Vor-und Zunamen ermittelt werden kann, oder, etwas wahrscheinlicher, gar nicht erst in Erscheinung getreten wäre."

Nützlich wäre der Klarnamenzwang eher, um negative Bewertungen zu vermindern, etwa zu Produkten oder Unternehmen.

„Wer wirtschaftlich davon abhängig ist, weiß, dass ein guter Eindruck im Internet wichtig ist, schließlich kennen die Kunden das Geschäft nicht und haben nur wenig Möglichkeiten, Informationen zu erhalten. Hier kommen Bewertungsportale ins Spiel, welche anonymen Benutzern erlauben, ungeprüft ihre Meinung zu veröffentlichen. Es gibt spezielle Portale für Ärzte, Hotels, Wohnwagen, Flugmodelle und viele mehr. Wer möchte, etwa die Konkurrenz, kann auch innerhalb von Google-Maps ein Unternehmen in Grund und Boden bewerten", so Weifels.

Ein Unternehmen kann also trotz aller Bemühungen um Kundenzufriedenheit nie ganz ausschließen, dass gewisse Anteile der Beurteilungen unfair sind. Hier würde der Klarnamenzwang laut Weifels vermutlich auf wundersame Weise einen Rückgang negativer Beurteilungen bewirken.

Aber im Internet werden nicht nur hochpolitische Angelegenheiten besprochen. So hat die Verbraucherzentrale erst kürzlich eine Bewertungsplattform für Lebensmittel veröffentlicht, in welcher man Produkte bewerten bzw. auf deren Schwachstellen hinweisen kann. Natürlich ohne Namensnennung, versteht sich von selbst. Schließlich möchte man sich ja nicht gegenüber den großen Konzernen öffentlich outen, nur etwa, weil Sprühsahne Alkohol enthält.

„Namensklarheit hiesse ja auch, dass man in Gesundheitsportalen seinen Namen angibt, etwa, wenn man zu bestimmten Erkrankungen Fragen hat. Ähnliche Fragen wird möglicherweise der Arbeitgeber stellen, wenn er unsere Äußerungen auf solchen Portalen lesen würde. Vielleicht würde er uns übrigens gar nicht erst zum Auswahlgespräch einladen, wenn wir uns beworben haben und in Foren zu lesen ist, über welche Erkrankungen wir uns mittels Klarnamen ausgetauscht haben. Das führt uns zu Bewertungen von Büchern, von Unterwäsche, von Arbeitszeugnissen bis hin zur Bewertung von Personenkraftwagen, Fluglinien und Urlaubsreisen", erläutert Weifels.

Dahinter stehen dann noch die Äußerungen zu Themen wie dem aktuellen Weltgeschehen, den örtlichen Kommunalbetrieben, esoterischen Themen, etwa dem Weltuntergang 2012, der Alkoholsucht, der Vergangenheit als Prostituierte oder der HIV-Infektion. Was gibt es noch? Gästebucheinträge. „Hallo, Mini, tolle Homepage habt ihr. Heidi und Günter."
Alles mit Klarnamenzwang?

Weifels weiter zum Nutzen des Klarnamenzwangs: „Um noch einmal deutlich zu machen, was das Internet ist: Das WorldWideWeb, kurz www, besteht aus vielen Millionen Servern in aller Welt. Wenn wir nun in Deutschland Namensklarheit haben, wird sich der Durchschnittsbürger daran halten. Wer aber die Absicht hegt, Rufmord oder Diffamierung zu betreiben oder einen Flashmob zu organisieren, wird dies auf Servern im Ausland erledigen. Davon gibt es eine ganze Menge, die auch jetzt schon gerne genutzt werden, um Personen oder Unternehmen zu diffamieren. Wer schaltet denn in Feuerland einen Server ab, weil auf diesem etwa ein Deutscher Hersteller von Margarine als Schmiermittellieferant bezeichnet wird."

Wem die Namensklarheit tatsächlich nutzen würde, erläutert Weifels anhand der Internetvita, dem Lebenslauf im Internet.

Arbeitgeber, Banken und inzwischen sogar Nachbarn betrachten mittels Suchmaschinen die Aktivitäten anderer Personen im Internet, sie ermitteln die Internetvita, den Lebenslauf im Internet. Ziel ist es, möglichst viel über die Person, mit welcher man ins Geschäft kommen will, zu erfahren, ohne aktiv nachzufragen. Diese Recherche zum Lebenslauf mittels Suchmaschinen ist heutzutage ohne viel Aufwand möglich, denn viele Menschen veröffentlichen selbst Daten im Internet, ohne an die Folgen zu denken. So lassen die Artikel in Bewertungsplattformen oftmals und bereits ohne Namensklarheit nicht nur Rückschlüsse auf Bildung, Rechtschreibung und Allgemeinverständnis zu. Zudem besteht die Gefahr, mit den Gütern in Zusammenhang gebracht zu werden. Dies kann sich bei Produkten zur Gesundheitsvorsorge, zu Medikamenten, zu Büchern zu umstrittenen oder gesundheitlichen Themen wie auch bei Medien wie Filmen oder Musikstücken zum Nachteil entwickeln, etwa bei der Stellensuche. Zudem kann eine gewisse Häufigkeit negativer Bewertungen dazu führen, als notorischer „Nörgler“ abgestempelt zu werden. Ebenfalls besteht die Gefahr, durch gezielte Werbemaßnahmen hinsichtlich seiner veröffentlichten Interessen bei verschiedenen Firmen als potentieller Kunde gespeichert zu werden. Sie kennen vermutlich diese Werbeanrufe zur Unzeit, um Ihnen neue Produkte anzubieten.

Wie soll man sich verhalten, wenn man gerne Produkte bewerten möchte? Weifels hat einige Ratschläge:

Wer viele Produktbewertungen schreibt, sollte sich überlegen, ob er dies tatsächlich mit seinem wirklichen Namen durchführt oder besser einen Mitgliedsnamen verwendet, der keinerlei Rückschlüsse auf seine tatsächliche Identität zulässt. Die meisten Mitgliedsnamen können auch noch nachträglich verändert werden, Auskunft geben die Betreiber der Portale. Auch eine E-Mailadresse sollte eigens hierzu eingerichtet werden, kostenlose Anbieter finden sich genügend. Denn auch eine E-Mailadresse kann mittels Suchmaschinen aufgespürt werden. Generell ungeeignet erweist sich immer, hierzu eine berufliche Adresse zu verwenden. Hier kann, je nach Häufigkeit der Nutzung, zudem noch eine arbeitsrechtliche Sanktion drohen. Zudem sollte möglichst fehlerfrei und sachlich bewertet werden, damit die Bewertung auch ernst genommen wird. Rache oder andere Emotionen sollten nicht zu einer vorschnellen Bewertung führen, denn oftmals sind Arbeitsplätze von Bewertungen abhängig. Sind diese Grundsätze gewahrt, kann ohne spätere Reue das entsprechende Produkt bewertet werden.

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