Porsche Panamera: Sportwagen oder rasende Polstergruppe?
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Porsche Panamera: Sportwagen oder rasende Polstergruppe?

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Der Mann könnte verzweifelt sein angesichts der vertrackten Lage bei Porsche. Eben noch der profitabelste Autobauer der Welt und in der Rolle des David, der die Mehrheit am Goliath VW übernehmen will. Dann überraschend in der Schuldenklemme, weil der Deal vielleicht eine Nummer zu groß war. Und weil sich die Banker, von denen Porsches Finanzchef so manchen vorgeführt hat, nun dafür an ihm rächen wollen. Und für die große Klappe des Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking gleich mit.
Doch Michael Steiner, 44, wirkt deswegen kein bisschen niedergeschlagen, obwohl die Vollendung seines bisher wichtigsten Auftrages, die Entwicklung einer viertürigen Sportlimousine, auch noch mitten in die schlimmste Wirtschaftskrise der jüngeren Geschichte fällt. Der Chefingenieur macht überhaupt keinen zerknirschten Eindruck, auch wenn derzeit niemand genau weiß, wie es mit Porsche weitergeht.

"Schade, dass die Produktvorstellung davon überlagert wird", sagt er bloß. Steiner ist fokussiert auf den Porsche Panamera, an dem er seit vier Jahren mit einem Team von gut 250 Ingenieuren intensiv arbeitet. Im September soll das Auto auf den Markt kommen, im Leipziger Werk wird die Fertigung hochgefahren. Zeit also, den neuen Porsche Journalisten vorzustellen.

"Der Stolz der Firma"
Steiner probt am Vorabend der Präsentation seinen Vortrag und kann jede Frage zu dem Auto beantworten. Es klingt sogar trotzig, wenn er sagt: "Wir sind aber auch eher angespornt in dieser Lage. Der Panamera ist der Stolz der Firma. Die Freude am Produkt ist nicht beeinträchtigt. Nein."
Um diese Worte zu verstehen, muss man keinen Kilometer mit dem Wagen fahren. Es genügt, ihn an einer Tankstelle abzustellen und die Sekunden zu zählen, bis die erste Handykamera gezückt wird. Auf der Straße wiederum fahren andere ganz dicht auf oder sehr langsam vorbei. Die Vorderleute schauen intensiv in ihre Rückspiegel, das merkt man an den leichten Schlangenlinien, die sie fahren. Manche versuchen dranzubleiben.

Das ist allerdings nicht einfach. Eines der Entwicklungsziele, die Steiner und sein Team verfolgten, lautete: "Best in Class". Der Panamera muss in Sachen Fahrdynamik die Nase vorn haben. Das ist gelungen. Sportliche Limousinen mit 400 PS (Panamera S) oder mehr gibt es einige, und wenn die Ampel auf Grün springt, machen viele mächtig Eindruck. Aber das ist nicht genug.

Flott und leichtfüßig
Der Panamera misst fast fünf Meter und wiegt zwischen knapp 1800 und 2000 Kilogramm (Turboversion). Doch es gibt wohl keine Limousine, die sich so flott und leichtfüßig über kurvenreiche Landstraßen bewegen lässt. Es muss noch nicht mal die Topversion mit 500 PS sein. Die setzt aber noch einen drauf, auch weil die Leistungsentfaltung des Turbomotors brutaler ist. Dagegen verhält sich der normale Achtzylinder beinahe unspektakulär, weil er seine Power so gleichmäßig abliefert.

Dabei ist der Panamera keine klassische Limousine. Man sitzt viel tiefer, fast wie in Porsches Klassiker, dem 911. Und statt eines Kofferraumdeckels hat der Viersitzer eine Heckklappe mit einem variablen Gepäckabteil darunter. Die sehr bequemen hinteren Plätze, die viel Kopf- und Beinfreiheit bieten, lassen sich sogar zu einer Ladefläche umklappen.
Um in den Genuss aller Möglichkeiten zu kommen, sollte das Auto allerdings auch mit den neuesten technischen Gimmicks ausgestattet sein. Die aktiven Stoßdämpfer sind serienmäßig, doch Wankstabilisierung, Luftfederung und Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen müssen zumindest bei der Basisversion extra bezahlt werden. Erst mit diesen Sonderausstattungen gelingt der Spagat zwischen einem hohen Komfort und einer sportlichen Straßenlage - auf Knopfdruck. In der bequemsten Einstellung hebt sich die Schnauze des Panamera beim Gasgeben sogar ganz sanft. Er kommt einer Luxuslimousine sehr nahe, ist aber kein träger Dampfer.

20 Liter bei flotter Fahrweise
Dafür sorgt schon das relativ geringe Gewicht. Der Normverbrauch des Panamera S liegt bei 12,5 Litern Super. Klingt ganz gut, ist aber wie üblich weit weg von der Praxis. Bei flotter Fahrweise genehmigt er sich zwischen 16 und 20 Litern auf 100 Kilometer. Öko ist das nicht, wenngleich der Porsche für seine Motorleistung einigermaßen genügsam ist. Dafür sorgt vor allem das lang übersetzte Doppelkupplungsgetriebe. Die verhältnismäßig niedrigen Drehzahlen reduzieren den Spritkonsum gegenüber der von Hand geschalteten Sechsgang-Version um 1,7 Liter, auch dank der eingebauten Start-Stopp-Funktion. Im Stand schaltet sie den Motor einfach ab, wann immer es geht. Für später ist eine Hybridversion geplant, die den Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb kombiniert.

Das könnte dann fast schon ein neuer Dienstwagen für Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sein. Ob er sich das traut?

Quelle: stern online

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